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21:32:19 28.06.2016 gepostet von Administration um 21:32:19 28.06.2016
Besuch der Rhy Art Fair Basel

Basel ruft

Diesen Juni wurden an die Redaktion von künstler.tips zwei Tickets für die Rhy Art Fair Basel geschickt. Die Einladung galt für die gesamte Zeit der Kunst-Messe. Zur Vernissage haben wir es nicht geschafft, aber am Wochenende danach haben wir uns auf den Weg nach Basel gemacht.



 

Malerischer Ausstellungsort am Rhein

Die Rhy Art Fair findet einmal jährlich im Rahmen der Basler Kunstwoche statt. Überall in Basel fallen dem Besucher Plakatwerbungen zu verschiedenen Kunst-Veranstaltungen und Ausstellungen ins Auge. Etwas dürftig ausgeschildet ist der Weg zur Rhy Art Fair selbst. Dafür ist der Ausstellungsort malerisch am Rhein gelegen in einem modernen Flachbau. Der Ausstellungsraum ist grosszügig und wird ausserhalb der Art Fair für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Rhypark Basel   

 

Tanz der Moleküle

Bereits im Foyer erwartet den Zuschauer die moderne Installation „Time and particels“ des französischen Künstlers Jean Francois Revaillard, die von der organischen Chemie inspiriert ist. Revaillard konstruiert Gebilde aus Kunststoff, die durch ihr farbenfrohes Äusseres an Spielzeuge erinnern. Zumeist sind es fantasievolle Modelle von Molekülen und Atomen. Für seine Videoinstallationen hat der Künstler seine Plastiken mit einem 3-D-Scanner digitalisiert. Zusammen mit diesen Abbildungen seiner eigenen Werke und am Computer erzeugten Animationen hat er einen Bildreigen kreiert, der geschickt Parallelen zwischen schwebenden atomaren Teilchen und tanzenden Menschen zieht. Die Bilder folgen ihrem ganz eigenen Rhythmus, sind sehr fröhlich und lebensbejahend; so wie der Künstler selbst, der in einem Atemzug erzählt, wie viele Stunden er mit drei verschiedenen Computerprogrammen an den Videos gearbeitet hat und wie glücklich er darüber ist, von seiner Kunst leben zu können. Den quirligen Franzosen ganz an den Anfang der Ausstellung zu platzieren war eine gute Wahl vom Veranstalter.


time and particules cross media installation from Jean Francois Réveillard on Vimeo.

 
 

Krieger und Kakteen

Weiter geht es eine breite Treppe hinunter in ein zweites Foyer, wo an einer Bar Getränke gereicht werdend. Einladend stehen hier einige illustre Ready-Made-Art Exponate. Kaktusähnliche fluoreszierende Gebilde, die in beständigem Rhythmus die Farbe wechseln. Bei genauerem Hinsehen erst wird sichtbar, dass die Plastik-Skulpturen aus handelsüblichen Kabelbindern bestehen. Beeindruckend daran ist, wie sich hunderte kleiner, exakt gleicher Plastikstreifen, im Grunde hässliche Alltagsartikel, zu einem eleganten Ganzen formen. Damit passen diese Exponate zu den vorrangegangenen Installationen, in denen Moleküle im Mittelpunkt standen.



Gleich daneben wird es bunt und kitschig. Schlicht „Warrior“ heissen die Figuren der Bernerin Mirjam Gasser. Es sind fast mannshohe „Männchen“ aus alter Keramik - Tassen, Untertassen, Aschenbecher, Kaffegeschirr und Urlaubsmitbringsel. Wie viele Trödelläden, Dachböden und Polterabende muss die Künstlerin wohl besucht haben, um diese Krieger einzukleiden? Tatsächlich kann man sich an den Figuren nur schwer sattsehen. Der Porzellantrödel aus aller Welt regt die Fantasie an und lädt zu einer Reise in die Vergangenheit ein.

 Miriam Gasser Rhy Art Fair Basel

 

In Kontakt mit den Künstlern

Weiter geht es von hier durch die grossen Flügeltüre in den weiträumigen Ausstellungssaal. Einen thematischen Leitgedanken gibt es nicht - der Besucher kann sich zwischen den symmetrisch verteilten Stellwänden frei bewegen. Wirklich einzigartige Innovationen lassen sich nicht ausmachen, obwohl die Auswahl sehr vielfältig und kontrastreich ist: Realistische und Abstrakte Malerei, Pop-Art, Ready-Made-Art, Plastiken und Lichtkunst. Aquarelle, Fotografien, Skulpturen aus Holze, Glas oder Porzellan laden zum Betrachten ein.

Rhy Art Fair Basel

Rhy Art Fair Basel 2016

Rhy Art Fair Basel

In dem einen oder anderen Exponat kann sich der Zuschauer verlieren, jeder Betrachtungswinkel offenbart ein neues Rätsel. Freude, Leid, Hoffnung und Melancholie geben sich die Klinke in die Hand. Künstler und Galeristen stehen bei oder sitzen neben ihren Werken und geben unaufdringlich und freundlich Auskunft auf (Schweizer-) Deutsch oder Englisch. Das Konzept der Rhy Art Basel, das auf „dem direkten Kontakt zwischen Künstler und Publikum“ basiert, geht voll auf. Wenn der Besucherstrom nicht ganz zu arg ist kann man sich entspannt mit den Künstlern über ihr Schaffen und ihre Kunstwerke unterhalten. Besonders spannend sind dabei die verschiedenen Nationalitäten der Künstler. Der Zuschauer erhält Gelegenheit auch etwas über den Kunstmarkt ausserhalb der Schweiz zu erfahren und seinen Horizont zu erweitern.
 



Rhy Art Fair Basel 2016

Rhypark Basel

 

Unpolitische Kunst

Erschreckend unpolitisch geht es auf der Rhy Art Fair Basel dieses Jahr zu. Ein Bezug zu aktuellen sozialen oder globalen Problemen fehlt gänzlich. Ein kleiner Lichtblick in dieser Hinsicht ist vielleicht noch die Schweizer Künstlerin Mariana Abracheva. Ihre Werke sind dreidimensionale Collagen aus Werbebotschaften und alten Kinderspielzeugen bis hin zu modernen Plastikfiguren aus Kinder-Überraschungs-Eiern. Ganze Miniaturstädte zaubert sie aus Plastikpuppen, Matchbox-Autos und ähnlichem. Eine Kritik an Massenkonsum und Vereinnahmung von Kindern durch Franchise-Marketing wäre durchaus naheliegend. Vielleicht ist es aber nur der spielerische Ausdruck einer Kinderseele, die in einer sehr erwachsen wirkenden Frau gefangen ist. Faszinierend sind die grellen Gebilde auf jeden Fall.

 Mariana Abracheva    

 

Eine aussterbende Kunst

Ein besonderes High Light - im wahrsten Sinne des Wortes - sind die Plastiken des Licht-Künstlers Roland Amann, deren Genialität sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Seine vier Meter hohen Mikadostäbe bestehen aus verschiedenfarbigen Glasröhren, die nahtlos zusammengeschweisst sind und durch Neon luminesziert werden. Für jede Ausstellung muss das Werk durch mindestens zwei Personen transportiert und aufgestellt werden und stets ist die genaue Position und Ausrichtung der Glasröhren verschieden - der Zuschauer kann also jedes Mal ein Unikat bestaunen, das auf keiner anderen Messe oder Ausstellung genauso aussehen wird. Ein kleines Meisterwerk ist die Lichtskulptur „Use it or loose it“. Die Buchstaben des titelgeben Spruches sind geformt wie die Nervenbahnen eines Gehirns mit unzähligen Windungen. Rotes Neonlicht pulsiert und erweckt den Anschein, als würde Blut durch diese Adern fliessen oder elektrische Impulse in Nervenbahnen. Faszinierender als die simple Botschaft dahinter ist die handwerkliche Fertigkeit, die es braucht, um eine meterlange Glasröhre mit derart vielen Kurven zu formen. Roland Amann ist nicht nur gelernte Glasbläser, sondern auch Röhrenglasbläser. Handwerker diesen Berufsstandes formten früher Neonröhren für Lampen oder Schriften für Werbetafeln, Schriftzüge für Restaurants, Hotels und ähnliches. Leider wurde dieses Handwerk zunehmend automatisiert und Neon wird heutzutage kaum noch genutzt. Daher handelt es sich um einen aussterbenden Beruf und leider auch um eine aussterbende Kunst. Bleibt zu hoffen, dass Amann die Ideen und der Enthusiasmus nicht ausgehen.

Roland Ammann

Roland Ammann - Use it or loose it

Roland Ammann


Enthusiastisch verlassen auch wir die Messe. Es gab viel zu bestaunen. Kunst und Künstler gleichermassen hautnah. Wir bedanken uns für die Einladung und freuen uns auf die nächste Art Week in Basel inklusive Rhy Art Fair.

Rhy Art Fair Basel




Bericht: Dietmar Paul
Fotos: Eveline Ketterer

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